Presse

 

 

MYSELF 10/2012

 

Im Sommer 2006 saß Päivi Budarham auf einem Spielplatz in Frankfurt-Sachsenhausen und passte auf ihren damals einjährigen Sohn Noah auf. Nicht weit entfernt, in einem leer stehenden Laden, hing ein Plakat. "Zu vermieten" stand dort. Päivi Budarham hatte bis zur Geburt ihres ersten kindes die Public-Relations-Abteilung der finnischen Tourismuszentrale geleitet und wollte eigentlich wieder in ihren alten Job einsteigen, aber dieses Plakat ließ sie nicht mehr los: Ein eigener Laden war schon immer ihr Traum gewesen. Noch am gleichen Abend setzte sich Päivi Budarham an einen Businessplan. Acht Wochen später eröffnete sie Noa Boa, einen Laden mit schicker Kleidung für Schwangere und Kinder. Sechs Tage pro Woche arbeitete sie, ihr Sohn wurde bis zum späten Nachmittag von einem Au-pair-Mädchen betreut. Abends erledigte die die Buchhaltung. Es ließ sich gut an, bald musste sie Personal einstellen. 

 

Wenn sie nicht im Laden war, rief sie anfangs noch ständig dort an, um zu fragen, ob auch wirklich alles läuft. 2008 kam Tochter Alina zur Welt, ein Jahr später zog sie mit Noa Boa in ein größeres Gebäude: 400 Quadratmeter Verkaufsfläche, dazu Kursräume für Hebammen und Kinder und ein kleines Atelier, in dem die 40-Jährige ihre eigene Kollektion schneidern lässt. Mitten im Laden liegt ein Spielteppich mit Holzhütte und Rutsche.

 

Noa Boa hat inzwischen zwölf Mitarbeiter. "Ich habe mich bei meinen Entscheidungen immer auf mein Bauchgefühl verlassen und das hat bisher perfekt funktioniert." Päivi Budarham weiß, dass an einem Tag sehr viel Geld auf dem Konto und eine Woche später nichts mehr davon übrig sein kann. Beunruhigt hat sie das nie; ihr Vater war immer selbstständig, sie kennt es nicht anders. Freigenommen hat sie sich bisher nur, wenn eines ihrer Kinder krank war. "Aber dann habe ich gemerkt, dass ich auch mal Zeit für mich brauche." Seit Anfang des Jahres arbeitet sie nun vier Tage die Woche. Ihr Mann, ein selbstständiger Versicherungs- und Finanzmakler, unterstützt Päivi Budarham, wo er kann. "Er denkt immer mit. Vor allem aber habe ich das Gefühl, dass er ziemlich stolz auf mich ist."

ÖKOTEST 02/2012

 

 

 

 

An einem Sommermorgen im Jahr 2006 erkundet Päivi Budarham mit ihrem knapp einjährigen Sohn Noah einen Spielplatz im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Während der Kleine spielt, wälzt sie Gedanken: Bald endet die Elternzeit, sie soll zurück in ihren Job als PR-Leiterin bei der Finnischen Zentrale für Tourismus. Zu ihrer Arbeit gehören auch regelmäßige Auslandsreisen. Das kann sich die gebürtige Finnin nun gar nicht mehr vorstellen. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so ein Muttertier sein würde", erzählt sie. Einerseits möchte sie wieder arbeiten, anderseits fällt es ihr schwer, von Noah getrennt zu sein. Da fällt ihr Blick auf ein leerstehendes Geschäft. "Das ist es!", denkt sie, "hier mache ich meinen Laden auf." Eine Idee hat sie schon: Bei einem Besuch in Helsinki war Päivi Budarham auf ein Geschäft mit schicker kleidung für werdende Mütter und kleine Kinder gestoßen. Auch Business-Umstandsmode gehörte dazu, die sie während ihrer Schwangerschaft in Deutschland vergeblich gesucht hatte. Dieses Angebot will die junge Mutter nach Frankfurt holen. 
Mit vollem Elan geht sie an die Arbeit:" Ich habe mich nachts hingesetzt und einen Businessplan geschrieben." Obwohl sie von ihrer Idee überzeugt ist, will sie eine Meinung von außen einholen. Die junge Frau wendet sich an die Agentur Jumpp der Frauenbetriebe e.V., eine Beratungsstelle für Existenzgründerinnen. "Ich fand es angenehm, mich von Frauen beraten zu lassen", erzählt Päivi Budarham. Sie überarbeitet den Businessplan und erstellt ein Marketingkonzept. Für Noah engagiert sie ein Au-pair-Mädchen aus Finnland. Dann öffnet "Noaboa - Lieblingsdinge für Lieblinge". 
Jumpp gehört zum Netzwerk der Bundesgründerinnenagentur (bga). Leiterin Iris Kronenbitter ist überzeugt:"Selbstständigkeit ist für viele Mütter eine gute Alternative zur Festanstellung. Sie bietet zeitliche Flexibilität und frau kann endlich nach ihren eigenen Vorstellungen arbeiten." 

Allerdings gingen nur wenige Existenzgründerinnen so selbstbewusst an die Sache heran wie Päivi Budarham - zu Unrecht: "Die meisten Frauen sind sehr gur qualifiziert." Auch müssten sie keine klassischen Unternehmertypen sein, um Erfolg zu haben. "Da werden rein männliche Maßstäbe angelegt. Viel entscheidender ist es, dass sich die Frau für ihre Idee begeistert." Das ist bei Päivi Budarham der Fall. Sie überzeugt ihren Mann und ihren Vater und erhält von beiden finanzielle Unterstützung. "Es ist ganz wichtig, dass das Umfeld dahintersteht", glaubt sie. Sonst könne Selbstständigkeit mit Kindern kaum funktionieren. denn gemeinsam mit ihrem Mann muss die Geschäftsfrau zeitlich immer wieder jonglieren, um die Kinderbetreuung sicherzustellen. 

Herausforderung zweites Kind 

Der Sprung in die Selbstständigkeit glückt, das Geschäft floriert. Päivi Budarham ist überzeugt, dass sich auch ein zweites Kind gut mit ihrer Arbeit vereinbaren lässt. 2008 kommt Töchterchen Alina zur Welt. Zu ihrer Entlastung stellt die junge Mutter eine Filialleitering ein, aber die Zusammenarbeit klappt nicht so gut wie erwartet. zwei Wochen nach der Geburt steht sie wieder im Geschäft, das Baby im Tragetuch. Wie den Sohn will sie auch die Tochter stillen. Diese Zeit wird eine "große Herausforderung", doch Päivi Budarham meistert sie. Als die Kinder ihrer ersten Kundinnen aus den angebotenen Kleidergrößen herauswachsen, geht die tatkräftige Geschäftsfrau noch einen Schritt weiter: Sie vergrößert ihr Angebot und zieht um. Aus den kuscheligen 85-Quadratmeter_laden wird ein 550-Quadratmeter-Geschäft. Zudem bieten in einem Gruppenraum freie Dozentinnen Kurse an: von der Geburtsvorbereitung bis zur Stillgruppe. Ein cleverer schachzug, sind die Teilnehmerinnen doch potenzielle Kundinnen. Dass Päivi Budarham ihre Berufstätigkeit so gut mit der Familie vereinbaren kann, liegt sicher auch an ihrer Herkunft. In Finnland ist es selbstverständlich, dass Mütter erwerbstätig sind. 
Ganz anders in Deutschland: "Mütter, die intensiv an der eigenen Karriere arbeiten sind rar", sagt Marina Bergmann, die in Konstanz die Beratungsstelle "Frau und Beruf"leitet. "Nur wenige gehen zielbewusst und strategisch vor, streben nach einer Führungsposition und definieren sich selbstverständlich auch über die Berufstätigkeit." Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2008 waren laut Statistischem Bundesamt nur 29 Prozent der Mütter mit einem Kind unter drei Jahren erwerbstätig. Mit Kindergartenkind waren es 59 Prozent, mit einem Kind im Grundschulalter 65 Prozent. Fast drei Viertel aller Mütter arbeiten Teilzeit. Bei den Vätern lag die Erwerbstätigkeit zwischen 83 und 86 Prozent. Teilzeitarbeit war die Ausnahme. 

Kinder und trotzdem Karriere? Diese Kombination ist in Deutschland immer noch Ausnahme. Zwei Mütter erzählen, wie sie es geschafft haben, Kinderbetreuung und beruflichen Aufstieg unter einen Hut zu bekommen.

Öffnungszeiten: 
Montag - Freitag: 10-19 Uhr
Samstag:            10-18 Uhr
 

noa boa

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60594 Frankfurt

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